Angedacht

„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt" Psalm 30,12

Es herrscht geschäftiges Treiben, überall wo man hinsieht.
Die Kais sind voll mit Menschen wie an jedem Tag. Waren werden verkauft. Neue Ladung wird an Bord der Schiffe gebracht. Und am Horizont erscheint schon ein neues Boot, dass den Rio de La Plate hinauffährt und auf den Hafen zusteuert. Seine Ladung sind Menschen. Menschen, die ihre Heimat verlassen haben um den Verheißungen der Neuen Welt zu folgen und in der Fremde ihr Glück zu versuchen. So geschieht es Tag um Tag. Es ist ein nicht endender Strom.

Am Ende des 19. Jh. machten sich viele, vor allem junge Männer auf, um in Buenos Aires ein neues Leben zu beginnen. Sie lassen alles Bekannte zurück: Familie, Freunde, Haus und Hof und folgen ihren Träumen von einem besseren Leben. Für die meisten zerplatzen die Träume schnell. Statt im Paradies, waren sie in den bunten, aber kleinen und dreckigen Straßen von La Boca, dem Hafen und Armenviertel von Buenos Aires gelandet. Hier schleppen sie sich nun von einem Tag zum Nächsten und leben von der Hand in den Mund. Eine Änderung ist nicht in Sicht. Und statt Hoffnung auf ein besseres Leben, sind sie erfüllt von Trauer und Wehmut über den Verlust der Heimat, der Familie, die nun unerreichbar waren.
Dies alles mündet in eine Klage der Hoffnungslosigkeit.

Die Menschen bleiben aber nicht mit ihrer Klage bei sich. Sie trauern nicht einsam und „in Stille", wie man es bei uns in Deutschland heute gerne tut. Sie beginnen sich zu treffen und legen ihre Klage und ihre Trauer über ihr Leben in die Musik. Sie nehmen sich gegenseitig in den Arm und fangen an zu laufen. Ein Schritt folgt dem anderen und aus den Schritten wird eine Bewegung, ein Tanz. Im Tango fanden die Menschen eine Möglichkeit ihre Klage auszudrücken. Und durch den Tanz wurde die Klage in Bewegung gesetzt. Damit lösten sich die Probleme nicht in Luft auf, aber sie verloren ihre erdrückende Last der Einsamkeit und der Stille.

Möge Gott unsere Trauer und Klagen ebenso in Bewegung versetzen, so dass diese anfangen zu hüpfen und zu springen, statt uns zu erdrücken.

Schalom
Ihr Pfr. Samuel Weber

Losung und Lehrtext für Sonntag, 25. September 2022:

Der HERR wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Psalm 121,3

Unser Herr Jesus Christus wird euch fest machen bis ans Ende.
1.Korinther 1,7-8