Angedacht

Liebe Leserinnen und Leser,

bestimmt tragen auch Sie biblische Worte in Ihrem Herzen,

die Ihnen einfach gut tun, Worte, die Sie zuversichtlich stimmen, vielleicht sogar ein Lächeln auf Ihr Gesicht zaubern.

Bestimmt kennen Sie aber auch Verse und Geschichten aus der Bibel, die Ihnen zu schaffen machen. Ein solcher Vers ist für viele der Spruch für die Woche vom 7. März, hier heißt es:

Wer die Hand an den Pflug legt und nach hinten blickt, ist nicht geeignet für das Reich Gottes. Lk 9,62

Auf den ersten Blick ein hartes Wort, welches die Woche unseres Wahlsonntags begleitet. Es bildet den Abschluss von Begegnungen mit drei Personen, die Jesus nachfolgen wollen.

Allen dreien macht Jesus unmissverständlich klar:

Wer mit mir geht, verlässt sein altes Leben,

weder auf Probe noch auf Zeit, sondern ganz oder gar nicht!

Nachfolge Jesu hat Konsequenzen, Nachfolge Jesu duldet keinen Aufschub. Provokativ fragt Jesus:

Warum jetzt noch zur Beerdigung gehen, warum Abschied nehmen, wenn man sich sowieso löst von der Familie,

distanziert vom alten Leben, verabschiedet von den alten Zielen, aufbricht in das Lebensreich Gottes und bereit ist,

dafür durch den Tod zu gehen? Warum, noch auf die Etikette achten,

wenn man doch entschlossen ist zu gehen, sich auf etwas ganz anderes einzulassen?

Jesus sagt den drei Personen und auch uns:

Entscheidet euch für oder gegen mich!

Auf meinem persönlichen Glaubensweg bin auch ich immer wieder mit dieser Forderung konfrontiert, ich möchte Jesus mit allem,

was ich habe und bin, nachfolgen und doch gibt es Bedürfnisse und Notwendigkeiten, die mich von diesem Weg abbringen.

Ich möchte Jesus nachfolgen, aber von meiner Familie möchte ich mich selbstverständlich nicht lossagen. Ja, es ist ein harter, provokativer Vers, der die Frage aufwirft, motiviert diese Lesart Menschen dazu,

sich ehren- und hauptamtlich in unserem Kirchspiel zu engagieren? Motiviert es, zu hören, der Dienst an Jesu Kirche steht über allem – sogar über Familie, sogar über meinen ganz persönlichen Zielen und Wünschen? Ich befürchte, dass diese Lesart – so berechtigt sie auch ist, niemanden in Gänze motivieren wird.

Ich sehe aber noch einen anderen Ansatz, der sich mit unserem Bibelvers verbindet, es ist ein seelsorgerlicher, uns zugewandter Gedanke.

Jesus sagt uns mit diesen Worten auch:

Wer ein Leben mit Gott führt, der sollte nicht mehr

auf seine Vergangenheit blicken. Egal wie die ausgesehen hat.

Das ist das Geniale an der Umkehr zu Gott. Ein völliger Neustart ist tatsächlich möglich.

Der Blick zurück wäre verkehrt und kontraproduktiv, denn Wer die Hand an den Pflug legt und nach hinten blickt, ist nicht geeignet für das Reich Gottes. Lk 9,62

Mit seinen schroffen Worten öffnet Jesus die Augen. Er sagt: Achtet auf die Richtung Eures Lebens.

Geht es Euch vor allem um das Gewesene? Seid ihr festgelegt durch das, was ihr habt? Oder richtet Ihr Euch auf das Neue aus?

Auf die offene, ungesicherte Zukunft, die vor Euch liegt? Ist die Zukunft doch mehr als das, was Ihr schon kennt. Sie bringt das Reich Gottes, wenn ihr euch zu mir bekennt.

Ja, Gott will erneuern. Er will, dass wir Menschen nicht festgelegt sind durch die Fehler, die wir begangen haben.

Gott will uns neue Lebensräume eröffnen. Neue Möglichkeiten – auch für unser Kirchspiel. Diese Lesart ist für mich motivierend. Ich hoffe auch für all unsere Ehren- und Hauptamtlichen und die, die es noch werden. So können wir gemeinsam mutig und auch kühn nach neuen Wegen suchen, wie das Evangelium weitergeben

werden kann, unabhängig unserer Vergangenheit, unserer Bedürfnisse, unserer Schwächen.

So wird auch dieses zunächst so harte Wort Evangelium für uns und unsere Gemeinschaft.

Bleiben Sie behütet! Pfr. Christian Wedow

Losung und Lehrtext für Montag, 17. Mai 2021:

Der HERR war mit Josef, und was er tat, dazu gab der HERR Glück.
1.Mose 39,23

Paulus schreibt: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.
1.Korinther 3,6