Angedacht

Jesus stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. Mk 4,39
Unserem Bibelwort voraus geht eine beängstigende, Leben bedrohende Situation, saßen doch die Jünger in einem Boot auf dem See Genezareth, das in einen Sturm geraten war. In Angst und Verzweiflung gefangen waren sie beieinander - nur Jesus schlief scheinbar seelenruhig. In ihrer Not weckten sie Jesus und dieser griff ein. Er sprach seine Worte und es wurde still. Still wurden die Naturgewalten. Still wohl auch die verängstigten Herzen der Jünger.

Liebe Leserinnen und Leser,
Jesus kennt die Bedrohungen, die lähmen und Angst machen; Jesus kennt die Bedrohten, die voller Sorge um ihr Leben sind. In der Sturmerfahrung der Jünger findet sich auch unsere Lebensgeschichte, die im Grunde nicht anders ist als in unserer biblischen Erzählung - auch unser Lebensschiff ist von Stürmen bedroht. Gesellschaftliche Krisen sind wie Fluten, die das uns bekannte Leben ins Wanken bringen aber auch Veränderungsprozesse in der Kirche lassen uns voller Sorge die Frage stellen, was denn Kirche noch sei außer ein mit sich selbst beschäftigter Verwaltungsapparat.
Sturmerschütternd prallen so Ideale und Bilder von Kirche auf die Realität, die oft darin zum Ausdruck kommt, dass Kirche nicht wie einst gewohnt überall erreichbar ist. Schnell können dieses Ideal, diese Bilder zum neidvollen Blick auf andere Gemeinden führen und zum Verschleiß der Kräfte; können dazu führen, dass Menschen - überfordert oder enttäuscht - von den Fluten ergriffen von Bord gespült werden. Doch erschließt sich Kirche in unseren Bildern und Idealen? Auch wenn ich mir dies selbst zur Realität wünsche, ist Kirche mehr als das Licht in der Dienstwohnung oder die regelmäßige Öffnungszeit des Pfarrbüros.
Kirche ist vor allem und zuallererst Heils- und Vergebungsgemeinschaft, Kirche ist immer der Ort, in dem das Wir zählt, in dem kein Platz für allerlei menschliche Machtspielchen ist. Kirche ist der Ort, an dem wir gerade in Krisenzeiten, in den Stürmen, die die Gemeinschaft in Kirche ins Wanken bringen, auf Jesus hören sollen, der den Krisen und Stürmen zuruft: Schweig! Verstumme! Jesus bändigt den Sturm mit seinem Wort - und zeigt damit, dass er der Herr ist über Mächte, die Leben und Gemeinschaft bedrohen und dass er sie in ihre Schranken weisen kann. Wir auf dem Lebensschiff dürfen dann erfahren: Nichts und niemand, kann das WORT, das ins Leben ruft, zum Verstummen bringen. Ja, Jesus nimmt die Angst und unser Dünkel ernst, die uns überkommen, er ist mitten in den Stürmen der Angst gegenwärtig - wie einst bei den Jüngern. Wenn wir Jesus in unsere Mitte lassen, ihm dem ihm gebührenden Platz einräumen, wird es still werden und Stille macht ruhig, lässt aufatmen, gibt Kraft, um einander Kirche zu sein - offen und ehrlich, voller Vergebungsbereitschaft und Selbstrücknahme! Kirche lebt in allen Stürmen von Jesu Verheißung:
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. loh 16,33 Ja, die Angst ist gegen uns, aber Jesus Christus ist für uns. Vertrauen wir darauf, wenn Zweifel anfangen zu bohren, wenn Sorgen überhand nehmen, wenn die Angst uns einholt.
Ihr Lieben, auch wenn wir als Kirche nicht mehr überall gleich und sofort erreichbar sind, ist Kirche kein untergehendes Boot, wenn Jesus Christus das letzte Wort behält. Alles andere muss freilich schweigen. Wer in dieser Gewissheit lebt, erfährt was Kirche - zuallererst - ist.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Christian Wedow

Losung und Lehrtext für Freitag, 18. Juni 2021:

Schaff uns Beistand in der Not; denn Menschenhilfe ist nichts nütze.
Psalm 60,13

Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.
2.Thessalonicher 3,3