Angedacht

Da steht er, mein Bergmann, und lässt sein Licht tapfer gegen die Winterdunkelheit anleuchten. Die Spuren der Jahre sind nicht zu übersehen: die Hände sind angekohlt, der Schachthut versengt. Kein Wunder, seit meiner Geburt gehört er zu jeder Adventszeit dazu. Im Erzgebirge, woher
meine Familie kommt, war es üblich, dass jeder Junge bei seiner Geburt einen solchen Bergmann erhielt und jedes Mädchen einen Engel. Der Bergbau hat die erzgebirgische Weihnachtstradition geprägt, Bergmann und Licht gehören zusammen. Unter Tage waren Bergleute
darauf angewiesen, dass ihre Grubenlampen zuverlässig brannten.
Und besonders im Winter war das Licht rar. Vor Sonnenaufgang fuhren sie in den Schacht ein. Wenn sie von ihrer Arbeit zurückkehrten, war es dunkel, im Winterhalbjahr sahen sie selten das Tageslicht.
Auch wenn unter meinen Vorfahren, soweit ich weiß, kein Bergmann war, wusste meine Familie um die Kostbarkeit des Lichts.

Je dunkler die Zeit, desto wichtiger das Licht. Die Tage sind dunkler, als wir sie aus den letzten Advents- und Weihnachtszeiten kennen, die Sorgen und Ängste bei vielen größer.

„Lasst euer Licht leuchten“, macht Jesus seinen Anhängern und Nachfolgern in der Bergpredigt Mut (Mt 5,16).

Die Welt braucht euer Licht, sie sehnt sich danach.

Wie sehr Menschen darauf hoffen, ist mir nach dem Anschlag auf unsere Emmaus-Kirche deutlich geworden. Ich habe gestaunt, wie betroffen und erschüttert auch viele waren, denen Religion fremd ist, die sich selbst
als Atheisten bezeichnen. Wieso, sagen sie, trifft einen Ort solcher Hass, wo Menschen zusammenkommen, miteinander reden, wo von Hoffnung und Licht gesprochen wird, wo es um Mitmenschlichkeit geht.
Ich habe ihnen abgespürt, wie wichtig ihnen dieses Licht ist, selbst wenn sie für sich mit dem christlichen Glauben wenig anzufangen wissen.

„Lasst euer Licht leuchten“. Wir als Gemeinde haben uns das in dieser Advents- und Weihnachtszeit wieder vorgenommen: mit unseren Gottesdiensten, den Konzerten und Kirchenmusiken, mit dem Lebendigen Advent. Lassen auch Sie Ihr Licht leuchten und seien Sie sicher: Es wird gebraucht und es wird gesehen.

Euch und Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,
                                                                                   
Ihr Pfarrer Johannes Markert

Losung und Lehrtext für Montag, 28. November 2022:

O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen.
Jesaja 62,6

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
2.Petrus 1,19