Angedacht

Liebe Schwestern und Brüder,

Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche,
damit wir uns einen Namen machen;
denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.

Dieser Vers aus der bekannten Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt davon, dass die Menschen mit dem bis an den Himmel reichenden Turm ihre Macht zur Schau stellen, sich einen Namen machen wollten und damit nicht weniger sagten als:
Wir allein sind die Bestimmer, wenn du oder du das nicht unterstützt, machen wir dich vor den Leuten schlecht. Entweder du folgst uns oder wir machen dich fertig!
Das biblische Ende vom Lied dieser Allmachtsphantasie, Gott fährt herab und verwirrt die Sprache der Menschen, die Menschen verstehen sich fortan nicht mehr, reden aneinander vorbei. Ja, wer nur noch sich selbst sieht, nur noch seine Machtspielchen treibt, hat sich von Gott entfernt; die Bibel zeigt uns hier, dass der Mensch ohne Gott leicht in einen Größenwahn gerät und dann auch nicht mehr fähig ist, seinen Nächsten zu hören und zu verstehen.
Eigentlich könnte es anders sein, ist der Mensch doch beschenkt mit vielen Gaben, Gutes zu tun, Gutes zu schaffen; er ist in der Lage, Technik zu konstruieren, die Leben rettet und bewahrt, aber gleichzeitig können diese Fähig- und Fertigkeiten ins Gegenteil umschlagen, wenn das eigene Machtstreben das Handeln bestimmt! Sich selbst einen Namen machen wollen, das kann Menschen dazu bringen überheblich zu werden, die Technik zum Schaden einzusetzen, sich selbst zu überhöhen. Und wir kennen das,
Menschen mit viel Verantwortung stehen in der Gefahr, sich wie Götter aufzuführen. Sie meinen, die Welt drehe sich nur um sie. Widerspruch wird nicht geduldet, schnell wir dann mit Liebesentzug gedroht oder es werden bewusst Falschmeldungen gestreut. Nein, dagegen musste damals beim Turmbau etwas unternommen werden und es muss jederzeit etwas gegen diese Überheblichkeit und Machtgier unternommen werden.

Ihr Lieben, auch wir dürfen heute noch in der Hoffnung leben, dass Gott eingreifen wird, dass er nicht zulässt, dass einer sich für größer, besser, wichtiger als andere hält. Es passierte damals in Babel genau das Gegenteil dessen, was diese Menschen beabsichtigen.
Ihr Größenwahn wurde zum Fall. Es wird keine Einheit gelingen, die sich auf Machtgier beruft. Das gilt auch für uns als Kirche! Machtgier, mangel­ hafte Reife, fehlende Weite in Fragen der Frömmigkeit müssen letztlich scheitern, solch ein Turmbau hat keinen Bestand. Nein, Kirche baut Türme, die aus Selbstrücknahme, Gemeinsinn, Weitsicht, Vertrauen, Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Jesus und Vergebungsbereitschaft bestehen.
Denn die Einheit in Kirche und Welt ist einzig gestiftet durch den Heiligen Geist, er schenkt eine Einheit, die in nichts anderem begründet ist als in unserem Herrn selbst. Wo wir Menschen uns auf den Geist Gottes beziehen, wo wir uns verwandeln lassen in der Schule der Aufmerksamkeit auf Gott hin, da wird eine Gemeinschaft möglich, die die Grenzen von Parteiungen, Meinungen, äußerlichen Unterschieden hinter sich lässt.
Ihr Lieben, wo nicht jede zählt und jeder wichtig ist. Wo nicht alle Talente zur Geltung kommen und sich entfalten dürfen, wo nicht in der Krise Hoffnung sichtbar wird und neue Gemeinschaft entsteht, ist Gott längst von Himmel herabgefahren und hat Menschenwerk zu Fall gebracht! Das gilt es in Kirche immer wieder zu predigenden und ins Gebet zu nehmen, damit wir uns nicht einen irdischen Mittelpunkt suchen, sondern den himmlischen in Jesus Christus. Wir sollen bei dem die Einheit suchen, der sie stiften kann. Alles irdische hochtrabende Gehabe, das sich lossagt von dem einen Gott, der doch erst die Möglichkeiten schenkt, alles sich an die Stelle Gottes setzen wollen und ihm nicht die Ehre zu geben, wird scheitern. Also lasst uns - ergriffen vom Heiligen Geist - Kirche bauen, aufeinander hören und setzen, eine Kirche, die Jesus in ihrer Mitte weiß und nicht menschliches Machtgehabe.

Lasst uns gemeinsam um diesen Geist für unsere Kirchgemeinden und diese Welt bitten!


Euer Pfr. Christian Wedow

Losung und Lehrtext für Donnerstag, 23. September 2021:

Ihr werdet den Unterschied sehen zwischen einem Gerechten und einem Ungerechten, zwischen einem, der Gott dient, und einem, der ihm nicht dient.
Maleachi 3,18

Lasst uns Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.
Galater 6,9