Liebe kleine und große Gemeindeglieder!

Wer kennt das nicht – Situationen, Augenblicke, in denen plötzlich
ein Streit ausbricht und es Dinge gibt, die das Fass zum Überlaufen bringen.
Was folgt, ist eine heftige, oft auch verletzende Auseinandersetzung ...
Andererseits: Was tun wir nicht alles „um des lieben Friedens willen“?
Wie viel wird da unter den Teppich gekehrt? Dort liegt es dann so lange,
bis irgendwer irgendwann darüber stolpert. Dann ist es schnell um
den „lieben Frieden“ geschehen ...
Frieden ist leider kein Dauergast, der uns ein friedliches Miteinander
garantiert. Weder in unseren Familien und unserer Gesellschaft,
noch in unserer Welt, auch nicht in unseren Kirchen und Gemeinden.
Überall erleben wir, wie zerbrechlich und flüchtig der Friede ist.
Wie leichtfertig und oft auch unbedacht wir ihn aufs Spiel setzen.
Wie Anspruch und Wirklichkeit oft weit auseinander klaffen. Das schmerzt.
Und darunter kann man persönlich sehr leiden …
Was können wir tun, damit Frieden einkehrt? Ich denke, es fängt zunächst
in unseren Herzen an. Frieden muss man wollen. Und meistens muss
man etwas dafür tun, damit er sich ausbreiten kann. Weil er sonst nicht
zustande kommt. Es braucht einen ersten Schritt – auch wenn der vielleicht
der schwerste ist. Manchmal scheint es leichter zu sein, sich für Frieden
und Gerechtigkeit in der großen weiten Welt zu engagieren, als sich den
Herausforderungen in unmittelbarer Nähe zu stellen. Doch das eine darf
das andere nicht ausschließen.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“,
fordert uns die Jahreslosung aus dem Psalm 34 für das kommende Jahr
auf.

Diese Friedensbotschaft ist Kern aller prophetischen Verkündigung
und Erwartung, so wie wir sie wieder ganz besonders intensiv an den
Weihnachtsfeiertagen hören. Dieser Psalm ist ein Danklied des König David.
Dabei könnte er in seiner Situation auf ganz andere Gedanken kommen.
Er ist auf der Flucht vor dem übermächtigen König Saul, der ihn töten will.
Doch statt Saul mit Gewalt aus dem Weg zu schaffen, gewinnt David den
inneren Kampf und schenkt Saul das Leben.
Das soll auch für uns gelten: dass wir uns immer wieder neu für den Frieden
entscheiden, ihn ergreifen, ja ihm geradezu nachjagen und uns stark machen
für Versöhnung.

Wo sind Beziehungen zerbrochen?
Welche Trümmer liegen im Weg und könnten von mir weggeräumt werden?
An welcher Stelle sollte ich von meiner festgefahrenen Sicht der Dinge
Abstand nehmen und vielleicht nicht länger auf mein Recht pochen
und alte Wunden lecken?
Wo muss ich mein negatives Denken und Verhalten ablegen?
Was lähmt und hindert mich daran, in Frieden zu leben? Auch mit mir selber
und meiner Geschichte? Wo kann ich anderen Gutes tun? ...
Im hebräischen Denken bedeutet „Frieden“ weit mehr als nur
die Abwesenheit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe. „Schalom“
meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt,
in der keine Gefahr mehr droht. „Schalom“ ist die unverbrüchliche Hoffnung
auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander
der ganzen Schöpfung.
Doch Frieden und Versöhnung zu leben, ist eine Überforderung, wenn
wir dabei nur von unseren Möglichkeiten ausgehen. Unweigerlich stoßen
wir dabei an unsere Grenzen.
Der Frieden, den die Bibel meint, ist eng verbunden mit Gottvertrauen.
Ohne Gott, ohne Glauben können Menschen keinen Frieden schaffen.
Diesen Frieden können wir uns nur von Gott in Jesus Christus schenken
lassen, weil er unverfügbar ist, nicht von dieser Welt. Wir sind Bedürftige,
nicht nur vor Gott, sondern auch vor den Menschen. Wir brauchen
den liebenden Blick eines anderen, der uns schön findet, anerkennt,
Freundschaft schenkt und uns vergibt. Wir sind angewiesen auf Gnade
und Barmherzigkeit. Nur wer das erlebt und als Geschenk annimmt,
kann diesen tiefen Frieden auch weitergeben; ihm (IHM) Raum geben.
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“,
verspricht Jesus in der Bergpredigt (Matthäus 5, 9). Als seine Kinder sind
wir dazu berufen, Licht der Welt zu sein. Ja, „Frieden“ scheint oft weit
entfernt – bis einer anfängt. Und den ersten Schritt macht.
Sucht den Frieden, jagt ihm nach – ihr könnt ihn finden!


Eine gesegnete und friedvolle Zeit wünscht Ihnen Pfrn. Birgit Silberbach.







Losung und Lehrtext für Sonntag, 16. Dezember 2018:

Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen.
Psalm 38,5

Der Engel sprach zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
Matthäus 1,21