Jegliches hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Pred 3,1

Die Höhe des Jahres ist überschritten.
Bald ist Weihnachten sagen viele scherzhaft. Und tatsächlich finden sich in den Läden bereits die ersten Weihnachtsmänner (und -frauen).
Die Zeit schreitet voran.
Dabei ist schwer zu sagen, wer oder was sich bewegt: Ich durch einen nicht weiter zu beschreibenden Raum?
Oder ist es „die Zeit", die mich bewegt und ungewollt vorantreibt. Wohin?
Will ich das wissen?
Kann ich es fassen, kontrollieren, begreifen?
Wohin das Leben führt ist offen. Im Guten wie im Schweren.
Und oft genug ist gar nicht eindeutig, was auf welche Seite gehört. Eva Strittmatter sagte in einem ihrer Gedichte sinngemäß:
Das Gute ist manchmal der „süßeste Saft, gepresst aus unseren bittersten Jahren".
Die Zeit war zu allen Zeiten ein Rätsel. Und seit Heisenberg und Einstein wissen wir nun auch um ihre Relativität.
Nur scheinbar befinde ich mich mit anderen in einer Zeit.
Dennoch: Wir hoffen, es möge ein guter Weg sein und ein gutes Ziel.
Und meine Zeit soll gleichsam ein roter Faden leiten, der mich
in meiner Geschichte hält und zugleich zu dem Menschen werden lässt, als den Gott mich gedacht hat, ja träumt.
Dieser Traum ist unsere Hoffnung.
Der Traum von einer Welt, in der Menschen würdig leben, achtsam, gerecht,  respektvoll.
In der die Zeit, ein Raum ist, der gefüllt werden darf - so wie es gerade mir, gerade mit meinen Fähigkeiten möglich ist. Dazu hat jeder von uns
sein eigenes Maß an Zeit zur Verfügung und jeder ist für seine Zeit selbst  verantwortlich.
Wie das Wort, das wir sagen, können wir diese Verantwortung dafür nicht delegieren. Auch wenn sich keiner den Rahmen dazu gewählt hat und auch wenn man das manchmal gern möchte oder sich einredet: Der Mensch als das Opfer seiner Zeit und seiner Verhältnisse.
 
Und doch ist der Inhalt nicht fest bestimmt. Zu jeder Zeit ist es möglich, neue, überraschend andere Entscheidung zu treffen. Und das ist gut so. Leben bleibt offen.
Immer gibt es die Chance auf einen anderen „süßen Saft", selbst wenn bisher das Leben von Bitterkeit geprägt war.
Im Buch Prediger heißt es: ,,Ein Jegliches hat seine Zeit".
Und der Mensch kann das Werk Gottes nicht ergründen, weder Anfang noch Ende. Aber es ist ihm die Ewigkeit ins Herz gelegt, um alles, was das Leben schenken kann, auszukosten, mutig, selbstverantwortlich und hoffnungsoffen.    Pfarrerin Bettine Reichelt







Losung und Lehrtext für Samstag, 21. Oktober 2017:

Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.
Psalm 39,8

Jesus sprach zu der kranken Frau: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!
Lukas 8,48