Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Ezechiel 37,27

Wohl dem, der am Abend nach Hause geht und seine Wohnung,
sein Haus, das eigene Zimmer unversehrt vorfindet.
Ein Ort der Geborgenheit für viele. Seit einigen Jahren wird immer
deutlicher, wie wenig selbstverständlich das ist. Nicht nur die Umzüge,
die viele Menschen von Ort zu Ort treiben, zeigen es.
Zu viele Menschen an zu vielen Orten müssen aus reiner Not aufbrechen.
Das Fernsehen bringt es jeden Abend in die heimatliche Stube:
Heimat ist nichts Bleibendes. Für viele heißt das offensichtlich: ich muss
mich schützen. Und das geht nur, wenn die Grenzen dicht sind, wenn hier
nur hereinkommt, wer genehm ist – und möglichst wirtschaftlich schnell
brauchbar. Was bedeutet heute noch die Deklaration der Menschenrechte,
die jedem Menschen zugesteht, sich seinen Wohnort frei zu wählen?
Sind dies Träume von gestern? Heimat haben und Heimat gewinnen,
einen Ort, an den man zurückkommen kann, ist das Recht eines jeden.
Die Texte am Ende des Kirchenjahres und in der Weihnachtszeit fragen
nach meiner Offenheit diesen Überzeugungen gegenüber.
In der Offenbarung heißt es: „Gott will bei den Menschen wohnen
und will ihr Gott sein.“ Das Johannesevangelium erzählt in seinem
großen Hymnus von einem Gott, der im Menschen Wohnung nimmt.
Matthäus und Lukas erzählen
von dem Gott, der in einem Kind begegnet: „Weihnachten stiehlt der
Theologie die Worte und präsentiert ihr ein Kind“ sagt Jo Krummacher.
Ein Kind, dass früh umgezogen ist: Nach biblischen Zeugnis beinahe
unmittelbar nach der Geburt nach Ägypten, von dort nach Nazareth.
Ein Kind, das fremd war und Heimat finden musste, eine Heimat,
die anders war als eine heimatliche Stube – aber ebenso bergend.
Das gilt mir – aber ebenso den Menschen, die auf der Flucht sind,
die umziehen, die wohnungslos sind.
Sich dieser Offenheit zu stellen, macht frei und fordert heraus.
So soll Weihnachten sein: Mitten in den Zeichen der Zeit strahlt ein Licht
auf, mitten in Hast oder Leere bereiten wir uns auf das Unfassbare vor.
Die Pforten des Himmels öffnen sich und Herzen werden weit, um Gott als
ein Kind darin wohnen zu lassen.

Eine Heimat anderer Art, die unseren
Stuben nicht widerspricht, aber das
Leben weitet.
Dankbar, staunend, anbetend dürfen
wir bekennen, wie auch immer das
Leben aussehen mag:
Wir sind gewollte und geliebte
Menschen, in denen Gott selbst
Wohnung nehmen will.
Pfarrerin Bettine Reichelt







Losung und Lehrtext für Freitag, 15. Dezember 2017:

Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.
Jesaja 54,4

Durch den Glauben verließ Mose Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.
Hebräer 11,27